Wild und schön

Die Bretagne ist bekannt für raue Winde und einen grossen Gezeitenunterschied. Wer in diesem Revier eine Yacht chartert, liebt Herausforderungen und die pure Natur.

Ein feuchter Regenschleier hängt über dem Hafen. Graue ­Wolken türmen sich auf, Windböen aus Nordwest lassen die Riggs pfeifen und die Fallen klappern. Wir schultern unsere ­Segeltaschen und gehen weg vom Parkplatz, voraus sehen wir die Mastspitzen wippen, mehr nicht. Denn die Rümpfe der Segel­yachten liegen zehn Meter in der Tiefe, fast so, als hätte jemand den Stöpsel gezogen und das ganze Wasser aus dem Hafenbecken herausgelassen. Die Gangway hinab zum Schwimmsteg führt beinahe senkrecht nach unten. Es herrscht Ebbe. Wir suchen die «Max V», eine Jeanneau Sun Odyssey 40.3. Es ist Ende Mai, der Winter war lang und kalt, nun wird es Zeit, die Segelsaison einzuläuten und den Frühsommer auf der Haut zu spüren. Von Saint-Malo aus soll es westwärts ­entlang der Nordbretagne Richtung Brest gehen. Hier gibt es viele hübsche Küstenorte, kleine Inseln, gewaltige Felsküsten, unzählige Leuchttürme, geheime Ankerplätze «und ­Krustentiere in allen Variationen», wie Mitsegler Andreas aus Deutschland vor der Abreise zu berichten wusste. Geplant ist eine Urlaubswoche in einem neuen Revier, navigatorische Herausforderungen inklusive.