Langsam geht nicht

Der Name JPK ist in der internationalen Regattaszene längst kein Geheimtipp mehr. Zu zahlreich sind die Regattaerfolge, zu auffällig die offenbar herausragende Kombination von Segelspass und Geschwindigkeit. Mit der neuen «JPK 1050» verschiebt die Werft aus Lorient (FRA) einmal mehr Grenzen.

20. April 2026: Während ich diesen Testbericht schreibe, sitzt Gründer, Namensgeber und Werftchef Jean-Pierre Kelbert auf seiner neuen JPK 1050 und segelt über den Atlantik. Nicht ­einfach so, sondern im Rahmen der Regatta Cap-Martinique, die an diesem Tag in der Bucht von Quiberon startete. Und zwar in der Kategorie Solo. Nach wenigen Rennstunden liegt Kelbert – wen wunderts? – in Führung. Mit über 60 Jahren mal eben so alleine über den Atlantik? «Es macht einfach so viel Spass, dieses Boot zu segeln», lautet die lapidare ­Begründung von Jean-Pierre Kelbert.
Rückblende: Die JPK 1050 sorgte schon bei ihrer Lancierung vor gut einem Jahr für Aufsehen. Mit dem leicht gerundeten Scow-Bug, der optimierten Gewichtsverteilung und der grosszügigen Segelfläche versprach der von Jacques Valer ent­worfene Rumpf nicht nur ein vorteilhaftes IRC-Rating, ­sondern auch viel Segelspass. Auf raumen Kursen kommt das Boot sehr schnell ins Gleiten und die Logge zeigt sofort zweistellige Werte an. Auf der Kreuz sorgen der tiefe und schwere Kiel – er macht 44 Prozent des gesamten Bootsgewichts aus – ­sowie der bei Krängung unmittelbar zunehmende Formauftrieb – bei gleichzeitig länger werdender Wasserlinie – für eine ­aussergewöhnliche Stabilität. Die ersten Regattaresultate sprachen für sich: 1. Platz bei der Spi Ouest France, 1. Platz bei der Course des Îles und vor allem 1. Platz in der Overall-Wertung beim Fastnet Race! Letzteres schaffte Jean-Pierre Kelbert im Zweihand-Modus zusammen mit Alexis Loison, der auf einer JPK 1030 auch das letztjährige Sydney-Hobart-Race gewann (s. Kasten Seite 35).
Für die Tests der Jury zur European Yacht of the Year im letzten Oktober – die JPK 1050 war selbstverständlich in der Kategorie der Performance Yachten nominiert – liess es sich Jean-Pierre Kelbert nicht nehmen, persönlich nach Ginesta zu kommen. Eine Reise, die sich nicht nur für ihn, sondern vor ­allem auch für die Jurymitglieder lohnte. Toby Hodges, Testchef des Magazins Yachting World, formulierte es so: «Die JPK 1050 bescherte den meisten Jurymitgliedern eines der besten Segelerlebnisse ihres Lebens. Auf dem Wasser ist sie einfach aussergewöhnlich. Und in den richtigen Händen – ­ins­besondere denen von Jean-Pierre Kelbert – ist sie ­unschlagbar.» Und weiter: «Die 1050 fühlt sich wie ein perfekt abge­stimmtes ­Instrument an: plug and play. So widerstandsarm, geschmeidig und effizient. Die am Spiegel montierten Ruder bieten nicht nur sofortige Kontrolle, sondern sind auch schwenkbar, so dass man das luvseitige Ruder anheben kann, um den Widerstand zu verringern. Jedes Detail zählt. Und die ­Ergonomie ist einfach perfekt.»