Aus dem Eis geboren

Während das moderne Polen längst im 21. Jahrhundert angekommen ist, versprüht die Region Masuren im Nordosten des Landes immer noch den Charme einer längst vergangenen Zeit. Für Wassersportfans ist sie mit ihren Seen und Flüssen allerdings ein Revier der Extraklasse, das sich vor namhaften Vertretern des Genres nicht zu verstecken braucht.

Steinort (Sztynort) ist im Regatta-Fieber. Das kleine Irgendwo im Norden der masurischen Seenplatte trägt das Finale des polnischen RS 21 Cups aus. 15 Crews haben sich angemeldet. Start ist Punkt 10 Uhr. Die schnittigen Kielboote liegen ­aufgetakelt am Steg, die Segel sind griffbereit und die ­Wendebojen draussen auf dem Dargeimer See (Jezioro ­Dargin) gesetzt. Rundfunk, Regionalzeitungen und die wichtigsten ­Lokalgrössen geben sich ihr Stelldichein. Auf der Bühne vor der Steganlage heizt eine Folk-Rock-Band die Stimmung auf. Wir sitzen abseits vom Trubel auf der Terrasse des Marina-­Restaurants «Baba Pruska» und besprechen unseren morgigen Törn. «Am besten wartet ihr bis Mittag, übernehmt dann euer Boot und legt gemütlich Richtung Mauersee (Jezioro Mamry) ab. So kommt ihr den Regattateilnehmern nicht vor den Bug», empfiehlt Hafenmeister Marek.
Das «Land ohne Eile», wie der bekannte Schriftsteller Arno Surminski seine Heimat nannte, ist ein Wiegenkind der ­letzten Kaltzeit. Riesige Eismassen schoben sich damals von Skandinavien aus Richtung Mitteleuropa und modellierten im Nordosten Polens eine Landschaft, die heute aus rund 3000 Gewässern, zahllosen, bis zu 300 Meter hohen Hügeln und gut 12 000 Quadratkilometern urwaldähnlichem Mischwald besteht. Die Shootingstars des navigablen Erbes sind der 114 Quadratkilometer grosse Spieringsee (Jezioro Śniardwy) sowie der 104 Quadratkilometer grosse Mauersee.