Foilen beim Segeln – Trend oder Randnotiz?

Foilen ist in aller Munde. Sowohl im Profibereich als auch bei Hobbysportlerinnen und -sportlern sind foilende Wassersportgeräte wie KiteFoil, WingFoil oder PumpFoil gerade sehr gefragt. Doch wie sehr trifft das auch auf foilende Segelboote zu?

Ideen dazu, ein Boot aus dem Wasser zu heben, um damit den Wasserwiderstand zu verringern und entsprechend die ­Geschwindigkeit zu vergrössern, gibt es schon seit über 100 Jahren. Erste konkrete Versuche wurden in den späten 1800er- und in den frühen 1900er-Jahren unternommen. Bei der ­kommerziellen Entwicklung von Tragflügelbooten ging es ­allerdings hauptsächlich um einen möglichst schnellen Personen­transport oder um militärische Anwendungen.
Im Regattasport ebnete die Moth-Klasse den Weg. Der ­Australier Rohan Veal – selber stark in die Entwicklung der ­Foils involviert – wurde 2005 erster fliegender Moth-Weltmeister. Der Durchbruch beim America’s Cup gelang bei der 34. Austragung auf den erstmals foilenden Katamaranen in der Bucht von San Francisco. Heute ist ein America’s Cup mit «langsamen» Verdränger-Yachten nicht mehr vorstellbar. ­Aktuell wird auf den foilenden Einrümpfern der AC75-Klasse gesegelt, wobei die Entwicklung immer weiter geht. Auch Offshore-­Regatten setzen aufs Fliegen: Zwar unternahm Eric Tabarly ­bereits 1976 Offshore-Versuche mit einem foilenden ­Trimaran, die Imocas segeln aber «erst» seit der Vendée Globe 2016 mit Foilunterstützung rund um die Welt.
In den letzten zwei Jahrzehnten ist viel passiert und es stellt sich die Frage, ob fliegende Segelboote im Mainstream angekommen sind – oder ob das Foilen eine Sache für Profis bleibt.
Foils funktionieren im Prinzip wie Flugzeugflügel, nur halt eben im Wasser. Der vordere Flügel – bei Jollen kombiniert mit dem Schwert, bei grösseren Yachten und Katamaranen derjenige im Lee – sorgt mit seiner Form und seinem Winkel für Auftrieb: Die Strömungsgeschwindigkeit ist oben grösser als unten, es entsteht ein Unterdruck an der Oberseite der Foils, der für ­Auftrieb sorgt. Durch die zunehmende Geschwindigkeit ­aufgrund der Reduktion des Bootswiderstandes nimmt der scheinbare Wind an Bord zu – das Boot kreiert sozusagen ­seinen eigenen Wind. So werden Spitzengeschwindigkeiten bis zur vierfachen Windgeschwindigkeit möglich.
Je nach Bootsgrösse, Art des Bootes (Kielboot, Einrumpfboot, Mehrrümpfer) und Verwendungszweck unterscheiden sich die Grösse, Form und Machart der Foils extrem. Die Wahl des passenden Designs hängt auch davon ab, ob das Boot durch seine Bauform stabil fliegen soll oder ob eine maximale Geschwindigkeit – mit entsprechend kompliziertem Trimm – angestrebt wird (siehe Kasten).